Erfahrungsberichte
SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen leisten
wesentliche Hilfestellungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
mit sozialen Problemen. Ihre Erfahrungen?
Auch ich arbeite als Jugendsozialarbeiterin an einer Schule und werde nach TVÖD 9,2 bezahlt.
Ich habe eine Stelle mit 19,5 h muß durch das Reinarbeiten der Ferien knappe 23,5 h die Woche arbeiten. Mein Bruttoverdienst liegt bei 1200 €, durch meine bescheidene Steuerklasse bleiben 670 €, Das enstpricht einem Netto Stundenlohn von 7,00 €. Unsere Putzfrau bekommt 10 € /h.
Wenn ich krank bin, darf ich nur die Regelarbeitszeit aufschreiben, das heißt 19,5 , ich habe dann also nach einer Woche 4 Minusstunden. Genauso werden bei uns Fortbildungen, Fachtagungen gehandelt. Wenn ich eine Woche auf Fortbildung gehe und eigentlich die doppelte Stundenzahl hätte, bekomme ich nur 19,5 h vergütet, der Rest ist Minuststunden. Weihnachts- und Urlaubsgeld gibts nicht, Supervision auch nicht. Ich bin 40 und habe 3 Kinder, durch den Job hab ich eine riesen Organisation und Stress und das für diese Entlohung?!?!
Sind wir eigentlich die Deppen der Nation?
Ich bin seit 2 Jahren als Sozialarbeiterin an einer Schule tätig.
Wenn ich mir überlege, dass Kollegen als Schuldnerberater arbeiten, um Menschen aus finanziellen Krisen zu helfen und ich dabei mein Gehalt im Vergleich zu den alltäglichen Unkosten betrachte, ohne das ich mir besondere Dinge leiste, kann ich mich bald ebenso an einen solchen Berater wenden...
Von dem Gehalt kann man vielleicht leben, wenn man sehr dizipliniert damit umgeht. Aber es schlägt doch sehr aufs Gemüt, wenn man nicht mal etwas über hat, um es auf ein Sparbuch zu packen oder sich mal etwas zu gönnen und dabei jeden Cent umdrehen muss und sich morgens dreimal überlegt, ob man sich Brötchen holt oder doch lieber das Toastbrot vom Discounter.
Und dann noch die Aufforderung, dass Schulsozialarbeiter dringend notwendig seien, um Amokläufe zu verhindern. Es ist bestimmt eine sehr notwendige Aufgabe, die ich sehr ernst nehme.
Aber wie wäre es, wenn man die Kräfte, die soviel für die Gesellschaft tun, egal in welchem Bereich der sozialen Arbeit, auch anständig entlohnt und nicht so unterbezahlt lässt?
Dann würde vielleicht auch die Anerkennung der Sozialen Arbeit steigen und nicht nur als "Kaffee trinken" bezeichnet werden.
Derzeit bin ich (Dipl.-Sozialpädagogin) auf Stellensuche. Derzeit gibt es vor Ort nur von privaten Trägern Stellenangebote. Im Vorstellungsgespräch stellt sich dann meist bei dem Gespräch über das Gehalt heraus, dass 1800 € Brutto für eine Vollzeitstelle bezahlt werden. Man wird als Träumer bezeichnet wenn man im Personalbogen, der vor dem Gespräch ausgefüllt wird, den tariflichen Betrag von 2237 € Brutto einträgt. Gesundheitsförderung, wie ich aus meinem Freundes und Bekanntenkreis weiß, wird in diesen Stellen sträflich vernachlässigt. Im Gegenteil: Die MitarbeiterInnen bleiben maximal 1-2 Jahre in diesen Stellen und werden dort regelrecht verbrannt, bis sie das Glück haben eine bessere (?) Stelle zu finden. Eineige Sozialpädagogen arbeiten seit mehreren Wochen durch - also ohne auch nur einen Tag frei zu haben. Urlaubstage finden praktisch durch Rufbereitschaft nicht statt. Privatleben oder körperliche und geistige Regeneration Fehlanzeige. Finde nur ich so etwas schlimm und einer Sklavenarbeit ähnlich?
Leider sind in strukturschwachen Regionen die Menschen gezwungen auch solche Stellen anzutreten. Meine Befürchtung ist, dass diese Gehälter in Zukunft noch weiter nach unten gehen könnten. Irgend einen Verzweifelten gibt es immer ... Armes Deutschland!
Auch wir Heilpädagogen sind von den "Zuständen" betroffen. Nach einer 5-Jährigen Ausbildung zur Erzieherin/Heilerziehungspflegerin und einem Pflichtberufsjahr und danach 2 vollen Jahren an der Fachakademie für Heilpädagogik kommen wir mit unserer Ausbildung auf 8(!!!) Jahre und 2(!) Ausbildungen mit staatlicher Anerkennung.Es kann und darf nicht sein, dass wir, die Heilpädagogen in manchen Einrichtungen weniger verdienen als die "alten" Erzieherinnen die vom BAT übergeleitetet wurden. Wo bleibt da unser Berufsstatus als Heilpädagoge?! Was den TVÖD und die Eingruppierungsmerkmale angeht muss er meiner Meinung nach ENDLICH überarbeitet werden.Die Heilpädagogen wurden bei der Einteilung völlig übersehen.Manche sind in 8 andere in 9 eingruppiert! Ich kann die Forderungen von Ver.di nur unterstützen!Wir gehören in die 10!
Ich finde es sehr gut, dass jetzt endlich verhandelt wird und hoffe das "denen da oben" endlich mal klar wird, was wir (Erzieher, Soz-Päd, etc.) leisten müssen.Das dass teilweise richtig an die Psyche geht, man oft nicht abschalten kann und teilweise in der Freizeit arbeitet, weil das Klientel unserer Hilfe und den Rat braucht, muss ich nicht erwähnen.Ebenso die Rückenprobleme durch die schlechte Haltung (bin über 170cm) kennen sicher viele aus dem sozialen Bereich!
Ich hoffe endlich, das was vorwärts geht!!!
Hallo, ich bin Erzieherin und Studentin Sozialer Arbeit. Ich bin frustriert! Nach zehn Jahren Kintertagesstättenbetreuung wollt ich mich weiterentwickeln und Karriere machen. In den letzten vier Jahren hab ich bestimmt 5000,-€ in mein Studium gesteckt, Studiumsgebühren, Studentwerksbeitrag, Literatur, etc. Rentieren wird sich das ganze nicht! Mit der Umstellung des Tarifsystems, der "Bachelorisierung" der Abschlüsse usw werde ich wohl keinen Cent mehr verdienen! Ist wohl alles nur für mein Seelenheil gewesen?
Ich bin seit 9 Jahre Sozialarbeiter. Seit 7 Jahren arbeite ich im allgemeinen Sozialdienst.
Allgemeiner Sozialdienst heißt: Arbeiten mit Menschen, die am gesellschaftlichen Rand leben. Arbeiten mit Familien, die von Armut bedroht sind, bzw. in bitterer Armut leben. Arbeiten mit hocheskalierten Trennungs- und Scheidungsfamilien. Arbeiten mit vernachlässigten, misshandelten und/oder missbrauchten Kindern. Arbeiten im ASD heißt, dass wir den Kinderschutz den wir leisten wollen, oft nicht leisten können, da die Politik seit Jahren nur Lippenbekentnisse von sich gibt. ASD Arbeit ist mehr Wert. Wir wollen vor allem endlich eine gesellschaftliche Aufwertung für unserer Berufsgruppe. Gesellschaftliche Aufwertung macht sich in Deutschland auch an der Bezahlung fest. Wenn die Forderungen: "Unsere Kinder sind unsere Zukunft, unsere Kinder sollen nicht in Armut auf wachsen, unsere Kinder sollen Bildung gemäß ihren Begabungen bekommen", nicht nur Sonntagsreden sind, müssen auch die, die dies alles umsetzen (Erzieherinen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen) endlich gesehen werden als eine Berufsgruppe, die hochspezialisiert, hoch belastet und unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft ist.
....30 Jahre habe ich nun als SOZPÄD hinter mir...zahlreiche Einrichtungen konzipiert und installiert...immer so, wie der Bedarf war.....mit all den gesellschaftlichen Verwerfungen konfrontiert um dem Betroffenen und geltenden Gesetzen korrekt zu werden. DER DANK dieser Gesellschaft ist in unserem Fall....seit 8 Jahren kein CENT mehr...Anerkennung durch den TRÄGER weniger als NULL....
die Sozialarbeiter/innen selbst und ihre Vertreter bei Gewerkschaften etc sind immer wieder bereit, zu schlechten Bedingungen zu arbeiten.....vor allem bei den sog. FREIEN WOHLFAHRTSVERBÄNDEN....hier herrschen Willkür + Ignoranz....schade, dass die Mitarbeiter/Innen nicht wie Lehrer / Öffentlich Bedienstete/ Piloten/ Lokführer auftreten....die Kraft für das Engagement in eigener Sache scheint zu fehlen..!
Nie wieder würde ich diesen Beruf ergreifen....da die Bedingungen eine Katastrophe sind und der "Verschleiss" gravierende Folgen gesundheitlicher Art sind. Arbeit am Menschen + vor allem mit solchen, die "aussortiert" werden, ist allenfalls lästige Pflichaufgabe und hilft zu retuschieren, damit diese Hochglanzgesellschaft nach aussen darstellbar ist.
Seit 27 Jahren bin ich als Erzieher, Heilpädagoge und Dipl. Sozialpädagoge tätig und verdiene zur zeit 1. 440 Euro netto in Vollzeit (ohne Urlaubsgeld und Weihnachtsgeldan-anspruch). Im Laufe der Jahre (ich bin jetzt 50) ist mein Verdienst immer mehr geschrumpft, aber auch meine Aufstiegschancen sind gleich null, bedingt durch den Wegfall des Bewährungsaufstiegs und durch immer neue befristete Arbeitsverhältnisse bei unterschied-lichsten freien Trägern für Ausbildung und Qualifizierung. Eigentlich müsste Verdi diese Problematik im Zusammenhang mit den Ausschreibungen der ARGEN / der BA durch "REGIONALE EINKAUFSZENTREN" einmal in den Medien veröffentlichen. Was in diesem Bildungsbereich abgeht ist noch skandalöser als das, was in den Kitas abläuft. Hier werden in Maßnahmen der beruflichen Bildung- und Qualifizierung die krassesten Dumpinglöhne gezahlt (Vollzeit weit unter 2.000 Euro brutto im Monat) und das meiste Personal eingespart. Da werden akademische Fachkräfte zu Billiglohnempfängern und wie Leiharbeiter "gehalten" bzw. auf dem Arbeitsmarkt "verzockt". Man könnte mit ein wenig Phantasie eine gewisse Methode dahinter vermuten, wie z.B.: die ARGEN / BA versorgen die Träger mit billigem "Humankapital" (arbeitslose Dipl.Sozialpädagogen, Sozialarbeiter und Erzieher) und die "Freien Träger" setzen mit ihren Billigangeboten auf solch perverse Ausschreibungen den Wettbewerb in einer Art Kreisspirale nach unten immer weiter fort, frei nach dem Motto "Geiz ist geil".
Hallo,
ich bin seit 10 Jahren als Diplom-Sozialarbeiter tätig. Mittlerweile habe ich auch eine Scheidung hinter mir. Ich habe zwei Kinder für die ich Unterhalt zahle. Vor 3 Jahren habe meinen Arbeitgeber gewechselt und bin unwissend vom kirchlichen Tarif in den TVÖD, und nicht wie ich dachte BAT, gewechselt. Das hat Netto 130,- Euro ausgemacht.
Mein Arbeitgeber hat mich in eine Anfängerstufe eingestuft und das ohnehin wenige Gehalt wurde nun noch weniger. Tagtäglich habe ich es mit Armut zutun und versuche das bestmögliche für das Klientel zu erreichen. Selbst muß ich ebenfalls jeden Monat finanziell ums überleben kämpfen.
Meinen PKW muß ich selbstverständlich zum ausüben meiner Tätigkeit zur Verfügung stellen.
Die Arbeitsbedingungen für Sozialarbeiter sind meines erachtens unzureichend und das Gehalt sollte der Verantwortung angemessen honoriert werden. Angemessen heißt für mich eine satte Gehaltserhöhung!!! Wir sollten uns nicht mit dem Abspeisen lassen, was wir haben!!!! Wir sind mehr Wert!!!!!
Hallo
Ich bin erst 2 Monate am arbeiten als Sozialpädagoge, hab dieses Jahr mein Diplom gemacht.
Ich bin jetzt schon so von den Arbeitsbedingungen frustriert und genervt.
Hätte mich jemand bei der Berufswahl besser über die Aussichten, Bezahlung und Bedingungen aufgeklärt, ich hätte das niemals studiert.Jetzt bin ich nur noch verzweifelt, gerade, wenn man liesst, dass es anscheinend auch mit mehr Berufserfahrung nicht besser wird.................auf ein Leben in Frustration
Ich bin Sozialpädagogin in einem Jugendtreff in Nürnberg. Hier möchte ich als Beispiel schildern, was da an Arbeit passiert, die von außen immer nur als "Spiel, Spaß und Kaffeetrinken" wahrgenommen wird. Im Ferienprogramm hatten wir kürzlich eine Computernacht für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren, das heißt Dienst von acht Uhr abends bis acht Uhr morgens mit 13 Jugendlichen.
Erst arbeiteten wir 3 Stunden lang mit den Kids in drei Workshops (Comics selber machen, Trickfilm, Fotografie). Dabei beträgt die Aufmerksamkeitsspanne unserer Haupt- und Förderschüler ca. 3 Minuten, sie sind hyperaktiv, unausgeglichen, schnell überfordert. Dennoch erreichten wir Ergebnisse und es machte den Kids Spaß. Dann wurde gespielt (Computer, Playstation, Billard, Kicker). Während der Nacht tauchte erst das Problem Alkohol auf, was zu einem intensiven Gespräch mit vier 13 und 14jährigen Jungs führte, die nach eigenen Angaben schon länger und regelmäßig Alkohol trinken.
Es folgten Pubertätsprobleme, eine Krisenintervention bei einem jungen Albaner, der keine Hoffnung mehr für sich in Deutschland sah, der psychische Zusammenbruch einer 14jährigen, die an den Verhältnissen in ihrer Familie zu zerbrechen droht.
Die Arbeit in einem Jugendzentrum führt über den Kontakt beim Spielen immer zu Beratungs- und Krisengesprächen, zum Einblick in absolut unerträgliche Verhältnisse in den Familien und zur Weiterbegleitung der Jugendlichen, oft über Jahre.
Dafür braucht es anständig bezahltes Personal!
Ich arbeite seit über 15 Jahren als Bezirkssozialarbeiterin in München, immer in belasteten Stadtteilen. In dieser Zeit wurde die Arbeit immer mehr, immer schwieriger und immer belastender. Die Bürokratie ist unglaublich angestiegen, die Hürden, um eine Hilfe zu erschließen sind riesig (oft sind über 20 verschiedene Schritte, Unterschriften zur Genehmigung etc. erforderlich), die Resourcen werden immer knapper. Statt "rauszugehen" in d. Stadtteil, Hausbesuche durchzuführen usw. verbringen wir immer mehr Zeit am Schreibtisch um Anträge auszufüllen, Berichte zu schreiben, "Diagnosen" zu erstellen. Viele Betroffene u. Kooperationspartner melden sich enttäuscht und wütend u. verstehen die Vorgehensweisen und Entscheidungen unserer Behörde, die Wartezeiten etc. nicht mehr. Ich bin oft unter gr. Rechtfertigungsdruck für Entscheidungen, die ich gar nicht zu verantworten habe. Die Multiproblemfamilien werden immer mehr, jeden Tag haben wir mit psychisch kranken, suchtmittelabhängigen o. vernachlässigenden u. misshandelnden Eltern, entwicklungsverzögerten, kaum geförderten oder gefährdeten Kindern und Jugendlichen, verwahrlosten Wohnungen, Arbeitslosen, verwirrten Alten, gewaltbereiten Migranten, drohendem Wohnungsverlust u.a.m. zu tun. Sehr häufig sind wir die Einzigen, die diese Menschen noch aufsuchen, sich kümmern und zu helfen versuchen. Viele meiner KollegInnen bewältigen die Arbeit nicht mehr und gehen weg, ständig sind mehrere Stellen unbesetzt, auch auf der Leitungsebene, so dass zusätzlich noch viel vertreten werden muss. Ich fühle mich oft überfordert u. an der Grenze meiner Belastbarkeit. Wenn ich mit mehr als drei oder vier schwierigsten Fällen in der Kinder- und Jugendhilfe zu tun habe (was meist der fall ist), kann ich auch in meiner Freizeit nicht mehr "abschalten" und mache mir Zuhause noch Gedanken, die mich sehr belasten. Ich schäme mich für unsere Gesellschaft, dass dieser unsere Arbeit nicht mehr wert ist, mehr Anerkennung, mehr Ausstattung und mehr Gehalt. Ich bin teilzeitbeschäftigt und verdiene unter 1000,- Euro, das ist für die Verantwortung, die ich trage absurd wenig.
Ich arbeite im ASD des Jugendamtes. Mein Aufgaben umfassen die Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren, Trennungs- und Scheidungsberatung, Kindeswohlgefährdung, Jugendgerichtshilfe sowie die Beratung im Bezug auf Hilfen zur Erziehung oder na. § 35a SGB VIII.
Meine Arbeit ist geprägt von schwierigen Gesprächen mit Eltern und Institutionen. Häufig wird eine hohe Erwartungshaltung "nun endlich etwas zu tun" an mich heran getragen. Gleichzeitig sieht man in den Augen der Eltern und Familien die Angst und Ablehnung mir gegenüber, als Mitarbeiterin des Jugendamtes.
Der Spagat zwischen dem gewünschten Hilfsangebot und dem ungewünschten Eingriff in die Familie zur Erfüllung des Wächteramtes zum Schutz von Kindern führt zu großen Spannungen. Jede Entscheidung kann die Richtige sein, oder eben Nicht - das Wissen das evtl. ein Leben davon abhängt, sowie die Tatsache der persönlichen strafrechtlichen Konsequenzen, gilt zu ertragen.
Häufig werde ich persönlich für Entwicklungen in Familien oder deren Leben verantwortlich gemacht, die sich meinem Einfluss völlig entziehen. So kommt es immer wieder zu Beleidigungen, Bedrohungen und Beschwerden.Arbeitstage sind oft frustrierend, belastend und Überstunden sind die Norm. Selten gibt es Lichtblicke, in denen z.B eine Hilfe angenommen oder ein Umgang funktioniert. Doch diese Lichtblicke sind der Grund für die Weiterführung dieser Arbeit, den die Bezahlung macht den Job sicher nicht attraktiver...... im Gegenteil!
Ich arbeite bei einem freien Bildungsträger in einem Projekt (psychosoziale Betreuung von Bedarfsgemeinschaften) in Teilzeit. Die Teilnehmer dort werden von der örtlichen ARGE in das Projekt "vermittelt", die Freiwilligkeit der Teilnehmer ist nicht immer gegeben, da Angst vor Sanktionen besteht, falls die Maßnahme NICHT angenommen wird. Ich habe die Aufgabe mind. einmal die Woche in diese "Bedarfsgemeinschaften" zu fahren und dort die Problemlage zu eruieren. Oft sind es kinderreiche Familien und die gesamte Bandbreite an psych. Erkrankungen ist vertreten; haupts. Depressionen, oft Sucht- und Mißbrauchsproblematik aber auch Borderliner und schizotype Erkrankung. Gemeinsam mit den Teilnehmern soll dann nach Lösungswegen gesucht werden. Oft sind diese Menschen NICHT in der Lage, ihre Situation zu überblicken und ihnen fehlt die psychische Stabilität, um tatsächlich die erforderlichen Schritte gehen zu können. Da wird dann von Seiten der Fallmanager gewünscht, dass meine Kolleginnen und ich diese Aufgabe für die Betroffenen erledigen (TN zum Arzt begleiten, Elternsprechtage an Schulen wahrnehmen, Sicherstellen, dass Suchtberatungsstellen aufgesucht werden, etc.). Es ist fraglich, ob diese Menschen nach Ablauf des Projekts diese Dinge dann alleine erledigen können, eine Therapie wäre bei den meisten TN sinnvoller. Eine Supervision haben wir nicht, TN "abgeben" können wir auch nicht. Das langfristige Ziel ist es übrigens, diese Menschen wieder für den Arbeitsmarkt zu "aktivieren".
Ich arbeite seit drei Jahren in einer offenen Ganztagsgrundschule. Mein Arbeitsalltag ist mitunter sehr anstrengend darunter leidet vorallem meine psychische Gesundheit die sich dann auch in körperlicher Erschöpfung äußert.Ich arbeite gerne mit Kindern, nur fehlt die Zeit bei 28 Kindern in meiner Gruppe. Das heißt es fehlt oft an Ruhe und letzendlich Kraft sich wirklich die Minuten zu nehmen um sich mit einzelnen Kindern näher zu befassen. Hinzu kommt, dass ich nicht nur die Kinder betreue sondern auch viel Verwaltungsarbeit erledigen muss. Hierfür steht uns leider keine zusätzliche Kraft zur Verfügung.
Ich habe studiert um für Menschen da zu sein und gerade unsere Kinder haben das Recht gehört zu werden. Dies ist in meinem Arbeitsalltag nur bedingt möglich, oft bin ich am Rande meiner psychischen Belastbarkeit. Hinzu kommt die schlechte Bezahlung. Oft ist meine finanzielle Situation bedrückend. Ich hoffe, dass auch die Wohlfahrtsverbände in der Zukunft stärker in die Pflicht genommen werden für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu sorgen.
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Es ist erschreckend zusehen zu müssen, wie Sozialarbeit immer mehr in den Blick der Kostenrechnung gerät, wie eine mühevolle Tätigkeit, die sich weder zeitlich noch vom Ergebnis her vorausbestimmen lässt, immer mehr in unterste Gehaltsgruppen oder gar neben dem Hilfebezug ins Ehrenamt verbannt wird!
Ich zähle mich zu den älteren Semestern, habe neben dem Diplom in Sozialpädagogik noch den einen oder anderen Meisterbrief in der Tasche. Als Lehrausbilder, Stützlehrer und Sozialpädagoge bei diversen Bildungsträgern beschäftigt, die als Erfüllungsgehilfen der HartzIV-Gesellschaft junge Menschen nicht zu qualifizierten Facharbeitern sondern eher zu funktionierenden Bürgern erziehen wollen, musste ich in den letzten Jahren zur Kenntnis nehmen, dass zum Beispiel der "Kalkulationsposten" Löhne und Gehälter für das Ausbildungspersonal regelrecht aus den Ausschreibungsformularen gestrichen wurde. In der Vergangenheit konnte über diese Posten wenigstens grob eingeschätzt werden, wie durch eine halbwegs vernünftige Bezahlung die Qualität der Ausbildung in etwa gesichert wird. Nach Wegfall befinden sich die Gehälter im Sinkflug! Angebote zwischen 850 bis 1.300 Euro brutto sind in einigen Regionen unseres Landes für die anstrengende und anspruchsvolle Tätigkeit keine Seltenheit mehr. Dazu kommen dann noch diverse Streichungen in den Kreis- und Stadthaushalten und Streetworker laufen unter so genannten "Arbeitsgelegenheiten" (1-Euro-Job)!
Weiter so und unsere Jugend wird's uns danken!
Ja der aktuelle Tarifvertrag wurde auch mit verdi ausgehandelt. Es war sehr kurzsichtig hier nur die aktuell Beschäftigten in den Blick zu nehmen. Als übergeleitete Kollegin sollte es mir sehr gut gehen - aber ich war so verwegen mich beim gleichen Arbeitgeber auf eine "höherwertige" Tätigkeit zu bewerben und diese Stelle auch zu bekommen. Das macht dann 50 € brutto mehr und viel mehr Verantwortung und Überstunden. Inzwischen verstehe ich die Reaktion einiger Kollegen, die das gar nicht mehr in Erwägung ziehen.
Es muss dringend ein Vergleich mit anderen Tarifverträgen her in denen Angestellte, die ein Fachhochschulstudium vorweisen höher eingruppiert sind. Ich frage mich dann gibt es hier Studiengänge erster und zweiter Klasse? Auch diese Tarifverträge kommen nicht ohne Gewerkschaften zu Stande. Ich wünsche uns daher Erfolg, damit es ein wenig gerechter zugeht.
Für viele Sozialpädagogenstellen sind ein Führerschein Klasse B und häufig auch ein eigener PKW erfoderlich. Die Kosten diesen Anforderungen zu entsprechen liegt meines Erachtens weit über dem tariflichen Lohn.
Des Weiteren sollten bei dem Kampf für eine bessere Bezahlung die in vielen Ländern entrichteten Studiengebühren einbezogen werden. Es wird im Falle des Bafög oder auch den Studienkrediten davon ausgegangen, dass dank des Studiums künftig ein überdurchschnittliches Nettogehalt erziehlt wird, wodurch die Rückzahlung leichter fällt. Dies trifft auf die meisten anderen Studiengänge zu, jedoch nicht auf die Soziale Arbeit.
Das Nettogehalt Stufe 9 entspricht in keinem Fall dem eines abgeschlossenen Studiums was diese Erfahrung zeigt: Während eines Praktikums erlebte ich wie ein Einrichtungsleiter von einer Klientin (ungelernte Fabrikarbeiterin) wegen seines geringen Gehalts ausgelacht wurde.
Ich habe viele SozialpädagogInnen kennengelernt, die einen Zweit- oder sogar Drittjob ausführen um ihr Leben, aber auch ihre Studienschulden zu finanzieren. Das darf bei einem abgeschlossenen Studium einfach nicht der Fall sein.
Der derzeitige Tarifkampf ist ein Schritt in die richtige Richtung aber bei Weitem noch nicht ausreichend und der Arbeit gerecht. Die von uns häufig geforderte soziale Gerechtigkeit sollte auch für Berufstätige des sozialen Bereichs gefordert werden...
Ich arbeite seit fast 15 Jahren im Gesundheitswesen. Vorher als Krankenpfleger und jetzt als Dipl.-Sozialarbeiter mit Eingruppierung AVR analog BAT IV b. Ich verfüge über eine hochprofessionelle Ausbildung, die mich dazu befähigt, in Form von unterschiedlichen Techniken beraterisch und therapeutisch zu intervenieren. Oft muss ich jedoch erleben, dass meine Berufsprofession reduziert und degradiert wird. Generell ist jedoch meine professionelle Arbeit in Hinblick auf Vielschichtigkeit und Verantwortung unterbezahlt. Hinzu kommt, dass mit dem Gehalt eines Sozialarbeiters die Lebenserhaltungskosten einer Familie nur mittelgradig gedeckt werden können. Mit der mangelnden, ich möchte fast sagen, skandlösen Bezahlung, wird damit langfristig ein Berufsausstieg provoziert und Vorschub geleistet, da kann ein Mitarbeiter noch so altruistisch sein. Vorher gehen natürlich Motivation und das berufliche Engagement verloren. Die Gefahr eines Burnout werden begünstigt. Ich habe manchmal den Eindruck, als ob Sozialarbeit zur Randgruppe gehört, weil die Profession selbst mit Randgruppen der Gesellschaft arbeitet. Auch die geschichtliche und berufspolitische Fehlentwicklung und die unzureichende Akademisierung in der Vergangenheit haben dazu beigetragen, dass die Sozialarbeit noch nicht die notwendige Etablierung und Bezahlung erfahren hat. Leider, so scheint es mir, sind bei den tariflichen Verhandlungen auch die diversen Berufsverbände der Sozialarbeit überfordert und nicht hilfreich.
Jugendsozialarbeit nimmt Aufgaben des Jugendamtes war. Sie ist vor Ort erster An-sprechpartner für Eltern/Kinder/Jugendliche/Schule & an vorderster Front zur Abwehr einer Kindeswohlgefährdung.
Das Spannungsfeld zwischen Lehrern, Eltern, Schülern und Jugendamt erfordert einen hohen Grad an Sensibilität und Empathie.
Die Tätigkeitsfelder von Jugendsozialarbeit sind sehr umfangreich: Beratung, Abwehr von Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB, offene Jugendarbeit, Hilfebedarf nach §§ 27 ff SGB oder § 35a SGB einschätzen, Berufsfindung, Schulentwicklung, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen (überwiegend benachteiligt nach §13 SGB), Erwachsenen, Einzelfallhilfe, soziale Grup-penarbeit, sozialraumorientiertes Arbeiten, Präventionsarbeit, Krisenintervention, Vernetzungsarbeit, Synergieeffekte erkennen und aufzeigen, ...Vom Gehalt her sind wir aber die Frisösen der Akademiker!
Nur: Wir bekommen kein Trinkgeld & für Schwarzarbeit (Beratung von Freunden & Bekannten) bekommen wir kein Geld – es war ja nur ein Gespräch!!Jugendsozialarbeit an Schulen sollte gleich bezahlt werden wie die Arbeit der Lehrer, also mindestens Entgeltgruppe 12 – unsere Arbeit ist diffiziler und erfordert ein viel breiteres Spektrum an Fachwissen.
Es mehr als angemessen hoch qualifizierte Arbeit für unsere Kinder, die Zukunft unseres Gemeinwesens, angemessen zu honorieren. Soziale Arbeit sollte nicht weiterhin unterbezahlt sein.
Auch wenn wir uns gerade in einer veritablen Wirtschaftskrise befinden, sollten auch im sozialen Bereich qualifizierte Fachkräfte ihrer guten Arbeit entsprechend bezahlt werden. Wenn eine adäquate Eingruppierung jetzt nicht erfolgt, müssen wir wahrscheinlich die nächsten 20 Jahre unterbezahlt weiterarbeiten, auch wenn zwischenzeitlich die Wirtschaftskrise längst überwunden ist.Auch bei einer Einstufung in die Entgeltgruppe 12 gilt folgende Tatsache:
Wenn ein Jugendsozialarbeiter durch seine präventive Arbeit in der Schule ein Kind vor der Einweisung in eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung bewahrt, erspart er unserem Staat laufende Kosten, die höher als sein gesamtes Gehalt sind.
Ich habe mich schon oft gefragt, warum SozialpädagogInnen oder ErzieherInnen gegenüber LehrerInnen so viel weniger verdienen.
Im Großen und Ganzen wiederholt sich der Lehrplan.
Bei schwierigen Schülern unterstützt der/die Schulsozialarbeiter/in.
Ich möchte den Beruf des Lehrers nicht abwerten, auch die haben es immer schwerer im Umgang mit den Schülern und dem Vermitteln des Unterrichtstoffs.
Aber gerade mit der schwierigen Klientel arbeiten Sozialpädagogen. Und hier geht es nicht nach Lehrplan.
Der Betreuungsschlüssel hat sich verschlechtert. Haben früher 2 Sozialpädagogen den Wochenenddienst in Heimen gemeinsam abgeleistet, so übernimmt Heute 1 Person den Dienst, was sich oft bei Unternehmungen als sehr schwierig erweist.
Letztendlich geht es auf Kosten der bestmöglichen Förderung der Kinder und Jugendlichen.
Auch sei zu bemerken, dass in der Sozialarbeit oftmals nur Stellen in Teilzeit angeboten werden, und man mit dem Gehalt auskommen muss und zudem so flexibel arbeiten soll, dass es zeitlich den ganzen Tag in Anspruch nimmt.
Gerade in der heutigen Zeit ist der Beruf des Sozialarbeiters/-pädagogen in der Kinder und Jugendhilfe wichtiger denn je. Somit muss dieses Berufsfeld aufgewertet werden, und das geht nunmal in unserer Gesellschaft über die Gehaltsschiene.
Ich bin seit 20 Jahren im ASD tätig. Ich erlebe zunehmend eine Arbeitsverdichtung durch mehr Technik (Telefon, Fax, Mail) , durch Warnehmung eines Bereitschaftsdienstes und durch zunehmend mehr Präsenszeiten für den Bürger. Dies führt wiederum zu mehr Nachfrage bei gleichzeitiger Forderung der Kommunen nach Einsparmöglichkeiten gerade in der Jugendhilfe. Des weiteren wird eine größere Hilflosigkeit bei Eltern und bei Erziehungsproblemen deutlich. Wenig Zeit bei Eltern, Armut in Familien, Krankheit in Familien führen zu mehr Bedarf an Jugendhilfe. Es fällt schwer bei zunehmender Arbeitsverdichtung gleichbleibend hohe qualitative Arbeit zu leisten, den hohen geforderten Standard zu halten. Die zu bearbeitende sehr hohe Fallzahl ist nicht in der normalen Wochenarbeitszeit zu leisten. Viele Kollegen bleiben länger da, einige reagieren mit Krankheit auf die verschärften Anforderungen. Dieser Krankheitsausfall, der zum Teil länger andauert (z. B. bei Burnouterscheinungen) ist dann von den restlichen Kollegen aufzufangen, ein Teufelskreis tut sich auf. Mir gefällt das Arbeitsgebiet nach wie vor sehr, ich frage mich aber auch, wie lange ich diesen quantitativen Anforderungen noch gewachsen bin, bzw. wie lange mein Körper noch mitmacht, denn auch ich werde älter und sehe, dass es zu wenig junge Kollegen gibt (Überalterung in diesem Bereich).
Dieser Bereich ist m. E. zu schlecht bezahlt und hat eine Imageaufwertung verdient.
Ich arbeite seit mehreren Jahren in der Sozialpsychiatrie, wir haben es hier mit schwer kranken Menschen zu tun, Menschen mit Diagnosen wie Depression, Schizophrenie, Borderline- und verschiedene andere Persönlichkeitsstörungen. Entsprechend vielseitig muss unser Fachwissen sein, das sich auf viele Disziplinen bezieht (Psychologie, Medizin, Recht, Pädagogik, Handwerk ...). Die Arbeitszeiten müssen ebenso unserem Klientel angepasst sein, das heißt wir sind auch an Feiertagen und am Wochenende da, schließlich geht es bei uns um Menschen nicht um Produkte. Wir ermöglichen lebenswertes Leben für Menschen mit Behinderungen und schützen gleichzeitig die Bürger vor Menschen, die aufgrund ihrer Krankheit die Kontrolle über sich verlieren. Es geht in diesem Beruf öfter als man denkt um Leben oder Tod. Wer sich schon einmal mit Depression befasst hat, weiß, dass mehr Menschen daran sterben (Suizid) als es im Jahr Unfalltote duch Verkehrsunfälle gibt. Eigentlich müsste unsere Gesellschaft froh sein, dass es Menschen gibt, die sich diesen schwierigen Aufgaben stellen und sie entsprechend dafür belohnen.
Ich persönlich habe mich für einen schlecht bezahlten Beruf entschieden, das heißt aber nicht, dass dies ein Fehler war, das Problem liegt in der ungerechten Belohnung (Gehälter) im Vergleich zu den anderen Berufen, wie zum Bsp. Lehrer, Beamtenberufe, etc. Einen Beruf den ich primär wegen des Geldes ausführte, würde mich nicht erfüllen und wer würde dann dem Wohl der Gesellschaft dienen?
Ich finde die Aktionen richtig. Aber bitteschön, Ver.di sollte ehrlich sein. Seit 2005 gibt es den TvÖD. Ich wurde aus dem BAT von 4a übergeleitet. Mir bringt die EG 10 oder auch die EG 11 nicht wirklich ein zusätzliches Einkommen.
Eine Erzieherin bräuchte die EG 9, wenn auch die übergeleiteten KollegInnen etwas davon haben wollen.
Tatsache ist doch, dass ver.di und die anderen für alle neuen KollegInnen mit dem Tv'ÖD im Prinzip einen Minustarifvertrag ausgehandelt haben, da kommen leicht über 300 Euro weniger zusammen, als es für die BAT-KollegInnen gibt.Was früher die Altersstufe war, ist heute die Erfahrungsstufe. Nur wenn ich den Arbeitgeber wechsel, verliere ich die alte Erfahrungsstufe und muss bei den meisten Arbeitgebern von "vorne" anfangen. Auch das habt Ihr 2005 "verhandelt".
Es wäre gut, wenn Ihr das in die Forderungen aufnehmen würdet, dann würden auch weniger KollegInnen "kleben" bleiben.Und vor allem eins: Seid ehrlich, denn es geht doch nicht um ein "mehr für alle", sondern um "gleichen Lohn für gleiche Arbeit". Dafür lohnt es sich zu kämpfen, ohne dass nachhaer die Mehrheit der Kolleginnen enttäuscht ist.´
Und noch eins: Kann mir mal bitte einer mal begründen, warum die Jugendhilfekollegen in die 11 kommen sollen, und alle anderen in der 10 bleiben? Wenn ich eine Wohnungskündigung verhindere, eine Ausweisung, Gewalt in der Familie, das ist dann weniger wert?
Ich will hier nicht anonym auftreten:
Seit ca. 10 Jahren arbeite ich im ASD Berlin Neukölln, mitten im "Sozialen Brennpunkt". Viel Armut, viele Menschen, die aus der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ziemlich weit ausgeschlossen sind oder sich selbst ausschließen.
Im November 2006 wandten wir, fast alle SozialarbeiterInnen, uns mit einem Brief an unsere Leitung, wie übrigens auch ganze Kollegien in anderen Bezirken an ihre. Unser Brief gelang an die Öffentlichkeit und bereicherte die bundesweite Diskussion in der Presse, zu den Arbeitsbedingungen in den für das Kindeswohl zuständigen Jugendämtern.
Es bedurfte noch vieler gemeinsamer Aktionen der KollegInnen, und eines Vorstoßes der Direktions- und Dezernentenebenen, bis der Berliner Senat nach 2 Jahren endlich einknickte und gestattete, in ganz Berlin 130 durch Ausscheiden freigewordene Stellen wiederzubesetzen. Dies feiern wir in unserer Verdi-Fachgruppenarbeit als Erfolg.
Ein Erfolg, obwohl die Anzahl der Meldungen schneller wächst als die Zahl der neuen KollegInnen, ohne die wir im Sumpf der Arbeitsüberlastung ersticken würden.
Die erste neue Kollegin aus meinem Team hat sich bereits wieder verabschiedet. Sie fühlte sich betrogen, mit einem Taschengeld abgespeist und dabei mit Verantwortung überschüttet. Sie wird nun woanders tolle Arbeit leisten.
Für die Neuen und die Alten brauchen wir die bessere Bezahlung.
Deswegen gehe ich hin, zu den weiteren Aktionen und rede viel mit den KollegInnen, damit sie mitkommen!
Ihren Aufruf habe ich unterstützt. Was auffällt, ist dieses allgegenwärtige Gejammere über zu niedere Gehaltseinstufungen, als wenn jemand nicht gewusst hätte, welchen Vertrag er da gerade unterschreibt. Ein Bewerber sollte doch auch einmal einen Vertrag ausschlagen dürfen, der ihm - zumindest von seiner Gehaltsvorstellung her - nicht passt, damit er wenigstens nicht ständig während seines doch hoffentlich langen Berufslebens wesentliche Zeit mit Räsonieren oder Lamentieren über falsche Berufswahl oder verpasste Chancen zu vergeuden braucht. Wo bleibt da der Mut zur Selbsthilfe, den man sonst von seinem Klientel einzufordern bereit ist? Spätestens wenn ein potentieller Arbeitgeber erleben muss, wie ihm echte - vielfach schamhaft verschwiegene - Gewinne davonlaufen, weil er qualifiziertes Personal nicht bezahlen will / kann, wird ein Umdenkungsprozess in Gang kommen, der allen Arbeitnehmern und letztendlich dem von jenen betreuten Personenkreis dient, weil ein zufriedener Mitarbeiter erwiesenermaßen die bessere Arbeit verrichtet. Zeigen Sie Mut und Standhaftigkeit, dann erweisen Sie sich und Ihren Klienten einen Dienst, der nicht mit Geld zu bezahlen ist.
Ich bin seit 1982 als Sozialarbeiterin tätig und zwar in verschiedenen Bereichen - Sozialdienst im Krankenhaus, Jugendamt (JGH, Erziehungsbeistandschaften, ASD) und habe aktuell die Hoffnung, dass es uns vielleicht endlich gelingt, die uns gebührende Aufmerksamkeit für unseren Berufsstand in der Gesellschaft zu erzeugen. Das heißt aber auch, dass wir uns nicht wieder auseinander dividieren lassen und gegenseitig unsere Tätigkeitsfelder als gleichwertig und wichtig akzeptieren! Außerdem ist soziale Arbeit ohne politischen resp. gesellschaftlichen Kontext undenkbar. Und hier sehe ich Nachholbedarf, gerade bei den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. "Managen" und "Steuern" ist nicht alles. Und wenn, immer im Zusammenhang, und ob es unseren Klienten auf dem Weg zur Selbsthilfe und zur Partizipation nutzt...
Weiterhin müssen wir gewerkschaftlich stärker werden. Es können nicht Wenige für Viele die Kohlen aus dem Feuer holen!!!
Lasst uns also weiterhin kämpferisch bleiben, bzw. werden.
Ich freue mich auf einen witterungsbedingt warmen, und was unsere Sache angeht, heißen Frühling!
Anne Mark, 49 Jahre, Köln
Viel Verantwortung - wenig Wertschätzung
Seit 4 Jahren bin ich im "Jugendamt tätig". Meine Aufgabenfelder umfassen die Hilfen zur Erziehung, Jugendgerichtshilfe, Familiengerichtshilfe, alle weiteren Unterstützungen des SGB VIII inklusive des sog. Wächteramtes. Auch ich habe viel Freude an meiner Arbeit, gerade weil sie ein breites Spektrum an Aufgaben beeinhaltet (auch wenn ich auf ein oder zwei verzichten könnte). Die Erwartungen und Anforderungen an mich sind in allen Arbeitsfeldern extrem hoch. Zu allen Sachverhalten soll ich eine professionelle Position erarbeiten und in den jeweiligen Bereichen vertreten. Von der Teilhabeeinschränkung über das gemeinsame Sorgerecht bis zur Kindeswohlgefährdung bin ich Experte.
Gleichzeitig bekomme ich ein Gehalt, dass aus meiner Sicht nur eine Aussage beinhaltelt :
Verantwortung im sozialen Bereich zu tragen hat in Deutschland keinen Wert.
Das stört mich , denn das monatliche Gehalt drückt auch eine Wertschätzung für meine Arbeit aus und drückt insofern auf meine Motivation.
Ich würde mir wünschen, dass unsere Bemühungen einen Paradigmenwechsel einläuten und der gesamte soziale Beeich in seiner Professionalität als systemstabilisierde Arbeit wahrgenommen wird - letzten Endes auch in Mark und Pfennig bzw. Euro und Cent
Hallo,ich arbeite ebenfalls seit fast drei Jahren im Allgemeinen Sozialen Dienst ASD, auch wenn ich mich manchmal wie der Depp vom Dienst fühle macht mir die Tätigkeit an sich viel Spaß und ich fühle mich Tag für Tag aufs neue gefordert. In der Tätigkeitsbeschreibung habe ich meinem Vorschreiber nichts hinzuzufügen. Die Verantwortung im ASD ist groß, das Ansehen der Arbeit und das Gehalt mies.Ich hatte das Pech, nach einigen befristeten BAT Arbeitsverträgen in der neuen TVÖD Zeit eingestellt zu werden, und wurde deshalb in TVÖD EG 9 Stufe 2 eingestellt. Davor hatte ich eine weitaus weniger verantwortungsvolle-dennoch keine "Popeltätigkeit", aber zumindest ohne Garantenstellung und hoheitlicher Aufgaben- Tätigkeit in BAT IVb, ich habe damals eine Gehaltskürzung von rund 300 EUR erlebt.Tun konnte ich nichts, die vorherige Projektstelle wurde nicht verlängert, sodass ich gehen musste. Jetzt aktuell verdiene ich fast (wieder) genauso viel Geld, wie ich bereits im Jahr 2005 hatte- das frustriert mich unheimlich!Ich finde es einerseits wichtig, dass unsere Sozialarbeit generell besser entlohnt wird, aber auch, dass diese befristeten Verträge-die im öffentlichen Dienst so gerne angeboten werden-und diese permanente Gefahr, bei einem Stellenwechsel gehaltlich abzurutschen, auch nicht zu unterschätzen ist und auch hier darüber nachgedacht werden sollte, dass ein Stellenwechsel eigentlich keine Gehaltskürzungen mehr mit sich bringen sollte!
Ich bin Jugendberufshelfer/Jugendsozialarbeiter an einem Beruflichen Schulzentrum. Das Schulzentrum besteht aus drei eigenständigen Schulen mit insgesamt ca. 3000 Schüler/-innen. Ich bin der einzige Sozialarbeiter am Schulzentrum.
Von der klassischen Schulsozialarbeit an den Regelschulen unterscheidet mich, dass im Tätigkeitsfeld Jugendberufshilfe der Übergang von der Schule in den Beruf den Schwerpunkt bildet, was bei den Schüler/-innen eines Beruflichen Schulzentrums naturgemäß sowieso ein zentrales Thema ist. In meiner Arbeit geht es primär darum, im Einzelfall Perspektiven zu entwickeln, speziell bei der Gruppe der benachteiligten Jugendlichen die soziale und berufliche Integration im Blick zu behalten. Meine Arbeit rechnet sich dabei relativ schnell. Schon einzelne Jugendliche, die ich durch meine Arbeit so weit begleite, dass sie ihr Leben mittelfristig und dauerhaft aus eigener Kraft bestreiten ohne auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein, entlasten den Steuerzahl um ein Mehrfaches als er in meine Stelle investieren muss.
Einen großen Teil meiner Arbeit nehmen auch akute Kriseninterventionen ein, bei Schüler/-innen in extremen persönlichen Problemlagen, mit psychischen Erkrankungen, mit suizidalen Tendenzen. Auch mit diesen Jugendlichen persönliche Ziele und Perspektiven zu entwickeln, gehört zu meiner Arbeit wie auch das Erkennen von individuellen Problemlagen. In diesem Zusammenhang bin ich natürlich auch ein wichtiger Ansprechpartner für die Lehrkräfte.
Leider ist es mir trotz einer doch sehr hohen Arbeitsbelastung durch mein Gehalt bzw. das meiner Frau (auch "nur" Krankenschwester) nicht möglich, die laufenden Kosten für die Familie zu decken. Insofern habe ich abends noch eine Honorartätigkeit, betreue Straßenbau-Lehrlinge, die im Wohnheim untergebracht sind. Zu meinen technischen Daten: Ich arbeite seit August 1998 in der Jugendberufshilfe, bin in E09/Stufe 5.
Seit fünf Jahren bin ich in der Offenen JA tätig. Drei Mal die Woche arbeite ich bis 21:00/ 24:00 Uhr. Dazu kommen Sitzungen mit Ehrenamtlichen, Aktionen am WE und Arbeitskreise der Stadt. Im Jugendtreff bin ich allein, mal mit 20, mal mit 70 Jugendlichen. Schlägereien kommen selten vor, Streitigkeiten, Drogenmissbrauch, seelische Verletzungen kommen täglich zur Sprache und wollen angeschaut werden. Mit den Jugendlichen Bewerbungen schreiben, Kompromisse aushandeln, Regeln durchsetzen, Grenzen ziehen...Jeden Tag aufs Neue.
Mein Job ist wunderbar - nur leider unterbezahlt und das frustriert...!
Seit nun mehr 2 Jahren arbeite ich in einer Gemeinde als Vollzeitbeschäftigter, sogenannter Jugendpfleger. Ich bin dabei von städtischer Seite der einzige Beschäftigte. Es gibt keine Honorarkräfte, keine Verwaltungskräfte. Meine Aufgabengebiete reichen von den offenen Jugendtreffs, die ich alleine betreue (ca. 20 h Woche), über Projektorientierte Arbeit (von niedrigschwelligen Angeboten bis hin zu pädagogisch sinnvollen Ein- oder Mehrtagesprojekten), Ferienspiele für Kinder im Alter von 6 - 10, Sommerfreizeiten für Ältere, Betreuung von zwei Skateanlagen, Teilnahme an Arbeitsgruppen, Gremienarbeit in der Gemeinde, Beschwerdestelle für Anwohner, Konzerte, Discos etc. Hinzu kommt natürlich noch die ganz normale Verwaltungsarbeit.
Das dabei natürlich ständig Bereiche außen vor bleiben ist von vornherein klar. Ich mag meinen Job, aber leider scheint die Stadt kein großes Interesse zu haben, mehr Personal (im Honorarbereich) zur Verfügung zu stellen. Vielmehr ist die Stelle des Jugendpflegers in früheren Jahren dafür da gewesen, störende Jugendliche mit pädagogischen Mitteln aus dem Stadtbild zu entfernen. Ich wehre mich vehement dagegen und habe damit zum Glück immer mehr Erfolg. Allerdings lässt sich aufgrund der Arbeitssituation klar erkennen, dass ich mit Sicherheit nicht ewig für diesen Arbeitgeber tätig sein kann. Ich verdiene als Studierter so viel wie es einige mit Ausbildung tun, ohne dass diese meine Verantwortung tragen...merkwürdig ist das schon.
Seit 13 Jahren arbeite ich Vollzeit als Dipl. Sozialarbeiter beim Sozialpsychiatrischen Dienst. Vorher neun Jahre bei der Familienfürsorge und davor war ich drei Jahre im Krankenhaus Sozialdienst beschäftigt.
An den meisten Tagen während dieser Zeit, konnte ich frei und selbstständig arbeiten. Dies wurde auch immer von mir erwartet. Stets musste ich dabei die hohe Kunst der Abwägung von Nähe und Distanz beherrschen. Dies ist mir meistens, durch Korrektur aus dem Team, gelegentlicher Supervision, eigener Standfestigkeit und der Fähigkeit aus Erfahrungen zu lernen, gut gelungen.
Zum Handwerk des "Helfers" gehören hohe Sozialkompetenz, Flexibilität, gedankliche Kreativität und die Fähigkeit vorausschauend zu denken. Sehr entscheidend für das Überleben eines "Helfers im sozialen Bereich" ist seine Fähigkeit heraus zu finden, was der Auftraggeber möchte. Wie sind seine Motive? Darüber hinaus muss der Helfer stets abwägen, wozu der Hilfesuchende selber in der Lage ist, wo er nur einen Gedankenanstoß benötigt, oder wo begleitende Hilfe nötig ist. Der Helfer ist stets der Gefahr ausgesetzt, instrumentalisiert zu werden.
Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen (z. B. Lehrer, Ingenieuren, Angestellten mit vergleichbaren Tätigkeiten) fühle ich mich deutlich unterbezahlt. Deshalb muss die Aufwertungskampagne von ver.di zum 'Er.Volk' gebracht werden, denn unsere Gesellschaft braucht kompetente Sozialarbeit/ Sozialpädagogik.
Übrigens gilt das auch für alle anderen helfenden Berufe: z. B. Erzieher, Pflegepersonal, Ärzte, ...
Seit knapp zwei Jahren arbeite ich im Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes. Mein Aufgabenfeld umfasst das Angebot von Hilfe zur Erziehung, die Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren in Umgangs- oder Sorgerechtsangelegenheiten sowie der Bereich Kindeswohlgefährdung.
Die tägliche Arbeit ist geprägt von schwierigen Gesprächen mit Eltern, Lehrern, Ärzten etc., einer hohen Erwartungshaltung mir gegenüber gepaart mit übernommenen klassischen Vorurteilen bezogen auf mein berufliches Aufgabengebiet.
Die Arbeit gegen enorme Widerstände von Elternteilen hilfebedürftiger Familien ist eines der wichtigsten Charakteristika meiner Arbeit. Ich werde als störend, besserwisserisch und bedrohend wahrgenommen.
Mitarbeiter von Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern sind in meinem beruflichen Alltag wichtige Ansprechpartner. Hier spüre ich jedoch häufig hohe Erwartungen und die Forderungen nach unangemessener Intervention.
Der Spagat zwischen dem Angebot von Hilfe auf der einen sowie die Ausführung des Wächteramtes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen auf der anderen Seite führt oft zu schwierigen Situationen, immer kommt meinen Entscheidungen eine enorme Verantwortung hinzu. Das Wissen um mögliche persönliche strafrechtliche Konsequenzen macht es nicht leichter.
In der täglichen Arbeit erlebe ich regelmäßig Extremsituationen; es kommt zu brisanten Kindeswohlgefährdungen, schwierigen Arbeitsprozessen mit psychisch- oder drogenkranken Eltern, Kontakt mit völlig abweichenden Erziehungsmethoden begründet in kulturellen Unterschieden.
Immer wieder werde ich persönlich für Entwicklungen gegen die Wünsche eines der Beteiligten verantwortlich gemacht. So kommt es zu Beleidigungen, Bedrohungen und Beschwerden bei Vorgesetzten. Aus diesen Gründen wäre eine regelmäßige Supervision so wichtig, welche derzeit auf Grund der Haushaltslage nicht zur Verfügung steht.
Ich übe meinen Beruf gerne aus, denn es gibt ebenfalls Familien in schwierigen Situationen, die um Hilfe bitten und denen in der Folge die Umsetzung der gewährten Hilfen gut gelingt. Hier sind häufig bereits nach kurzer Zeit positive Entwicklungen zu beobachten. In Einzelfällen melden sich Familien lange nach Beendigung einer Hilfemaßnahme, um sich für die Unterstützung zu bedanken.
Obwohl es sich hierbei um schöne Momente handelt, stellen sie die seltene Ausnahme dar. In der Regel sind die Tage gekennzeichnet durch Frust, extreme Belastungen und Überstunden. Auf einen geregelten Arbeitstag kann ich mich nie verlassen, denn jeder Anruf kann die Termine und Planungen eines Tages oder einer Woche zunichte machen, sollte ein umgehendes Eingreifen zum Schutz eines oder mehrerer Kinder/Jugendlicher erforderlich sein.
Ich schreibe diesen Bericht bewusst bezogen auf die Aufwertungskampagne im Rahmen der Tarifverhandlungen um zu verdeutlichen, dass mein Beruf besondere Verantwortung und Belastungen mit sich bringt und daher entsprechend entlohnt werden sollte.
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geschrieben am Samstag, 22.05.2010
um 08:54 Uhr